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Positionspapier der Initiative für gewaltfreies Hundetraining
Positionspapier Initiative gewaltfreies
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Positionspapier der Initiative für gewaltfreies Hundetraining

 

Das Ziel der Initiative für gewaltfreies Hundetraining ist das Verbreiten eines wissenschaftlich fundierten, ethisch vertretbaren und empathischen Umganges mit Hunden, vor allem im Training. Unterstützt wird diese Initiative durch zahlreiche renommierte Organisationen und ausgewiesenen Fachpersonen mit einem kynologischen Know-how auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

 

Der Verzicht auf Gewalt im Umgang mit Hunden ist eine folgerichtige Konsequenz aus dem, was wir heute über sie wissen: Sie sind empfindsame Wesen und das Säugetier Mensch ist mit ihnen evolutionär verwandt. Ein wissenschaftlich fundierter, empathischer Umgang mit Hunden, der sich im Training die Lernfähigkeit und -bereitschaft des Hundes zunutze macht, ist von daher nicht als „vermenschlichend“ zu bezeichnen. Er ist vielmehr Ausdruck unserer Fähigkeit und Verantwortung, neue Erkenntnisse in Handeln umzusetzen, und so auch der Verantwortung, die wir gegenüber unseren Hunden und als Hundehalter gegenüber der Gesellschaft haben, gerecht zu werden.

 

Dabei beginnt Gewalt nicht erst beim Elektroschockhalsband, sondern bereits bei psychischer Einschüchterung und beim Rucken an der Leine, das nachweislich zu Verletzungen der Hals- und Nackenregion führen kann (vgl. Hallgren).

Vielfach steht der gewaltsame Umgang in Zusammenhang mit der längst überholten Theorie einer Rudelhierarchie, in welcher der Mensch die Herrschaft innehat und sich gegen „Umsturzversuche“ durch den Hund verteidigen muss, meist mit aversiven Mitteln, also mit Schmerzen oder durch psychischen Druck. Nicht nur ist diese Theorie wissenschaftlich überholt (vgl. Bradshaw, Yin)– die auf ihr basierenden Methoden sind für Mensch, Hund und mithin für das soziale Umfeld häufig gefährlich. Aversiv trainierte Hunde neigen eher zu Aggression gegenüber Menschen (vgl. Herron). Das Buch von Prof. John Bradshaw „Hundeverstand“ liefert einen guten Überblick über den Stand der Forschung.

 

Das gilt auch für die im Zusammenhang mit der Rudelherrschafts-Theorie immer wieder genannte „etwas härtere Hand“, die „gewisse“ Hunde – vor allem die mit Verhaltensproblemen – bräuchten. Dieses Argument blendet komplett aus, dass die Mehrheit der Verhaltensauffälligkeiten ursächlich auf Angst beruht, die nicht „weggestraft“ werden kann (damit werden nur Symptome unterdrückt). Eine nachhaltige Therapie verändert die Emotionen positiv und basiert auf nonaversivem Training.

 

Dass sich wissenschaftlich überholte Theorien und daraus resultierende Fehleinschätzungen hündischen Verhaltens auch bei zahlreichen Hundetrainern und –psychologen hartnäckig halten, ist unseres Erachtens die Konsequenz daraus, dass Begriffe wie „Hundetrainer/psychologe“ nicht geschützt sind und auch nicht alle Ausbildungsstätten nonaversive, wissenschaftlich fundierte Methoden lehren.

 

Der auf aktuellem Wissen basierende Umgang (Therapien, Training, Sozialkontakt) mit Hunden hat eine mit der Pädagogik vergleichbare Vorgeschichte. Vor 50 Jahren war es noch normal, Kinder durch Schläge „zu erziehen“. Heute wissen wir es zum Glück besser. Eine solche Entwicklung muss auch in der Erziehung und im Umgang mit Hunden das Ziel sein. Wie wir Menschen lernen auch Hunde unter Stress und Schmerzen schlecht bis gar nicht. Eine Nanny, die am Fernsehen eine Erziehungsmethode propagiert, bei der Kinder fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt werden, würde sofort wieder aus dem Programm genommen und angezeigt werden. Mit diesem Schutz können Hunde bisher noch nicht rechnen, denn eine derlei gewaltsame Praktik wird per TV gezeigt. Wer jedoch mit Körpersprache und Lernverhalten des Hundes vertraut ist, dem genügt ein Blick um zu erkennen, dass der durch Einschüchterung und Gewalt angeblich therapierte Hund nicht „geheilt“, sondern traumatisiert, apathisch und hilflos ist. Bei der Kindererziehung haben wir heute die Empathie entwickelt, Schlagen als unhaltbar zu klassifizieren. Wir sind gefordert mit unserer Empathie nicht an der Artgrenze Halt zu machen.

 

Wir möchten Sie einladen, sich einige der angefügten Links anzusehen, damit Sie sich selber ein Bild machen können. Vielleicht gelangen Sie zur Erkenntnis, dass Sie Methoden, die auf physischer Gewalt oder psychischer Einschüchterung basieren, nicht unterstützen wollen.

 

Mit der Auswahl an Buchhinweisen und Links zu Trainingsfilmen möchten wir Ihnen zusätzlich näherbringen, was Verhaltensforschung und Biologie an neuen Erkenntnissen zutage gefördert haben, und wie sich dieses Wissen in ein Training umsetzen lässt, das erfolgreich ist auf der Grundlage einer Zusammenarbeit von Hund und Mensch. Aus eigener Erfahrung können wir Ihnen versichern, dass es sich nicht nur hinsichtlich des Trainingserfolgs lohnt, so viel wie nur möglich über den Hund zu wissen, mit dem wir leben, sondern auch, was die Freude an der Arbeit mit ihm betrifft. Sich eine Trainerin oder einen Trainer zu suchen, die oder der das genauso sieht, ist ein erster Schritt zum gemeinsamen Erfolg.

 

Bekannte TV Hundetrainer arbeiteten bis anhin mit Hilfsmitteln wie Elektroschockhalsbändern und Würgern, die hierzulande durch das Gesetz verboten sind. Das Trainingsziel wird „entspannte Unterwerfung“ genannt, das augenscheinlich innerhalb weniger Minuten erreicht wird. Eigentlich zu sehen sind jedoch Hunde, die angststarr („freeze“) sind oder sich aufgegeben haben („shut down“ – erlernte Hilflosigkeit). Von einem Therapie- oder Trainingserfolg kann natürlich keine Rede sein. Bevor Bücher, Showtickets etc gekauft werden sollte man über diese Methoden, die sich modernem Wissen verweigern und sich über längst überholte Theorien legitimieren, Bescheid wissen und sich überlegen, ob man dies wirklich unterstützen möchte.

 

Wie Gandhi schon gesagt hat „die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt“.

Wir alle können zu diesem Fortschritt einen Beitrag leisten.

 

Initiative für gewaltfreies Hundetraining (siehe unterstützende Fachpersonen und Organisationen)

 

 

Videolinks

 

Reaktionen aus der Fachwelt auf aversives Training

 

Reaktionen in den Medien auf aversives Training

 

Auszüge aus Tierschutzgesetz CH/A/D

 

Und das Wichtigste:

Informationen zu gewaltfreiem, wissenschaftlich fundiertem Hundetraining

 


Verhaltenskodex der Initiative für gewaltfreies Hundetraining

 

Wir erwarten einen freundlichen Umgang mit dem Hund, basierend auf Erkenntnissen der modernen Lerntheorie und „Canine Science“.

Wir müssen uns nicht als „Alphatiere“ oder „Rudelführer“ unserer Hunde aufspielen, sondern wir müssen wissen, wie Hunde lernen und wie sie sich körpersprachlich ausdrücken. Mit diesem Wissen und genug Empathie und Erfahrung kann ein guter Trainer/eine gute Trainerin ein Hund-Mensch-Team individuell anleiten. Ein/e TrainerIn weiss, dass ein Hund nicht gut lernt, wenn er eingeschüchtert, unter Druck oder in Angst versetzt wird und es zu Fehlverknüpfungen kommen kann. Darum arbeitet er/sie nonaversiv, d.h. ohne den Hund psychisch einzuschüchtern oder ihm physische Schmerzen zuzufügen.

 

Explizit nicht erlaubt


  • Leinenrucks/Leinenimpulse
  • Anstupsen/Ankicken/Anzischen
  • Auf den Rücken werfen/drehen
  • Schlagen und Treten
  • Imitieren von Bissen mit den Händen
  • Psychologische Einschüchterung (z.B. sich drohend über den Hund beugen, anstarren, anschreien, anknurren)
  • Würgehalsbänder
  • Stachelhalsbänder
  • Mit Schreckreizen wie Schütteldosen, Wurfketten/discs oder Spritzflaschen arbeiten
  • Sprühhalsbänder (egal ob Luft, Wasser, chemische Substanz oder unangenehmer akustischer Reiz)
  • Lendenriemen
  • Alles, was dem Hund Schmerzen zufügt und/oder ihn in Angst versetzt.

 

Sinnvolle Hilfsmittel


  • Futter
  • Spielzeug
  • Freundlicher Körperkontakt
  • Stimme (motivierend, lobend)
  • Clicker, Target
  • Futterbeutel
  • Brustgeschirr
  • Leine, Schleppleine

 

Kompetente HundetrainerInnen ...

  • verfügen über eine einschlägige Ausbildung und bilden sich laufend fort
  • kennen gesundheitliche Ursachen für unerwünschtes Verhalten
  • schliessen medizinische Ursachen aus, arbeiten mit Tierärzten zusammen
  • arbeiten bei Hund und HalterIn mit Lob und Belohnung
  • bauen das Training auf gemeinsamen Erfolgserlebnissen auf
  • gehen respektvoll mit Mensch und Hund um.